Die Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina sind Bosnisch, Kroatisch und Serbisch – drei eng verwandte, gegenseitig verständliche Sprachen mit derselben Wurzel im ehemaligen Serbokroatischen. Warum ein Land gleich drei offizielle Sprachen hat, lässt sich nur vor dem Hintergrund seiner politischen und religiösen Geschichte verstehen.
In diesem Guide erfährst du, wie es zu dieser sprachlichen Dreiteilung kam, was die drei Sprachen unterscheidet, welche Minderheitensprachen es außerdem gibt und wie du am besten mit dem Lernen einer davon startest.
Inhaltsverzeichnis

Warum ist Bosnien und Herzegowina mehrsprachig?
Die Sprachgeschichte Bosniens und Herzegowinas ist von mehreren einschneidenden Umbrüchen geprägt. Mit der Eroberung durch das Osmanische Reich übernahmen viele Gemeinschaften schrittweise dessen Sprache und Religion – so gerieten christliche Bosnier erstmals in Kontakt mit dem Arabischen und Türkischen ihrer neuen Herrscher.
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Jetzt herunterladen!Später sorgten politische Spannungen für neue Gesetze zur Unterrichts- und Religionssprache. Erst die Unabhängigkeit Bosniens und Herzegowinas erlaubte es Kroaten, Serben und Bosniaken, ihre jeweilige Sprache wieder frei zu sprechen und zu schreiben.
Diese sprachliche Vielfalt hat einen positiven Nebeneffekt: In Bosnien wachsen viele Kinder zweisprachig auf, gefördert vom Staat, der Fließigkeit in mindestens einer Amtssprache plus einer Fremdsprache unterstützt. Wie eng diese Mehrsprachigkeit mit der bosnischen Kultur verwoben ist, zeigt sich besonders in den drei großen Bevölkerungsgruppen des Landes. Wer bereits Serbisch, Kroatisch oder eine andere südslawische Sprache spricht, tut sich beim Erlernen der bosnischen Sprachlandschaft entsprechend leichter.
Die drei Amtssprachen im Überblick
Die Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina sind Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. Alle drei gehören zur indoeuropäischen Sprachfamilie und gehen auf das frühere Serbokroatisch zurück – Teil der südslawischen Sprachen, die insgesamt von rund 3,24 Millionen Menschen in Bosnien und Herzegowina gesprochen werden.
Nach der Unabhängigkeit von Jugoslawien 1995 und infolge des Dayton-Friedensabkommens wurden Bosnisch, Serbisch und Kroatisch offiziell als gleichberechtigte Amtssprachen festgeschrieben. Da sie gegenseitig verständlich sind, können Angehörige aller drei Volksgruppen die jeweils andere Amtssprache im Alltag problemlos mitverstehen.
1. Bosnisch
Die Bevölkerung Bosniens und Herzegowinas ist ethnisch wie religiös vielfältig. Bosniaken (auch als bosnische Muslime bezeichnet) sprechen Bosnisch, mit schätzungsweise zwei bis drei Millionen Muttersprachlern.
Standardbosnisch basiert auf dem štokavischen Dialekt mit ijekavischer Aussprache. Die ursprüngliche Schrift Bosniens war die Bosančica, ein mittelalterliches bosnisches Alphabet aus der Zeit vor der osmanischen Herrschaft.
Da Bosniaken die größte Bevölkerungsgruppe stellen, ist Bosnisch die im Land am weitesten verbreitete Sprache. Wer beruflich oder für einen Urlaub nach Bosnien und Herzegowina reist, sollte daher zuerst Standardbosnisch lernen.
2. Kroatisch
Wie Bosnisch stammt auch Kroatisch vom štokavischen Dialekt mit ijekavischer Aussprache ab. In Bosnien und Herzegowina sprechen es über 400.000 Menschen, weltweit sind es mindestens sechs Millionen Sprecher – unter anderem in Kroatien und der serbischen Provinz Vojvodina. Kroatisch ist außerdem die Muttersprache vieler Einwanderer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, der Slowakei und Slowenien.
3. Serbisch
Bosnische Serben sprechen Serbisch – lokal über eine Million, weltweit mindestens sieben Millionen Sprecher. Serbisch enthält, ebenso wie Bosnisch, zahlreiche Lehnwörter aus dem Persischen, Türkischen und Arabischen aus der osmanischen Zeit. Innerhalb Bosniens und Herzegowinas nutzen sowohl Bosnier als auch Serben den štokavischen Dialekt; im eigentlichen Serbien dagegen ist die ekavische Aussprache üblich. Wie nah sich die drei Sprachen tatsächlich stehen, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Welche Sprache ist dem Serbischen ähnlich? Kroatisch, Bosnisch und Serbisch gehen alle auf das Urslawische zurück und umfassen mindestens drei Dialekte: Štokavisch, Čakavisch und Kajkavisch.
Ein wichtiger Hinweis vorab: Aus Respekt vor politischen und kulturellen Empfindlichkeiten sollten Besucher Bosniens und Herzegowinas vermeiden zu sagen, nur eine der drei Sprachen – Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch – sei „die” Amtssprache des Landes. Alle drei sind eigenständige, offiziell anerkannte Sprachen, auch wenn du dich beim Lernen frei für eine davon entscheiden kannst.
Minderheitensprachen in Bosnien und Herzegowina
Neben den Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina gibt es dort mindestens 17 Minderheitensprachen. Sie müssen zwar nicht verpflichtend an Schulen unterrichtet werden, der Staat fördert ihren Erhalt aber ausdrücklich. Montenegrinisch, Albanisch, Slowakisch, Bulgarisch und Rumänisch gehören zu den am weitesten verbreiteten. In kleineren Gemeinschaften werden außerdem Ungarisch, Jiddisch, Mazedonisch, Slowenisch, Polnisch, Russisch und Romani gesprochen.
Weitere Dialekte
Neben den Minderheitensprachen haben slawische Sprachvarianten auch zu einer Vielzahl von Dialekten in Bosnien und Herzegowina beigetragen. Viele davon leben heute innerhalb von Standardbosnisch, -kroatisch oder -serbisch weiter, werden aber von einzelnen ethnischen Gemeinschaften noch aktiv gepflegt:
- Štokavisch
- Čakavisch
- Kajkavisch
- Ekavisch
- Ikavisch
- Ijekavisch

Weitere Fremdsprachen in Bosnien und Herzegowina
Neben Bosnisch, Kroatisch und Serbisch prägten zahlreiche Fremdsprachen die politische Geschichte des Landes. Während des Zweiten Weltkriegs war Russisch an Grund- und weiterführenden Schulen verpflichtend, manche Universitäten setzten sogar ausschließlich auf Russischunterricht. Weitere Fremdsprachen gewannen nach der österreichisch-ungarischen Zeit und während des Königreichs Jugoslawien an Bedeutung, als Einwanderer ins Land kamen.
Heute gehören Französisch, Deutsch und Türkisch zu den beliebtesten Wahlsprachen an Universitäten, dazu kommen Italienisch und Ukrainisch als Online-Kursangebote. Unter den nicht-slawischen und nicht-baltischen Sprachen ist Englisch mit Abstand am weitesten verbreitet – in Schulen wie im privaten Umfeld.
Welches Alphabet wird in Bosnien und Herzegowina verwendet?
Das ursprüngliche Alphabet Bosniens und Herzegowinas war das glagolitische, genutzt von Mönchen und der orthodoxen Kirche. Vom 12. bis ins 19. Jahrhundert setzten sich Latein und Kyrillisch als Hauptschriften durch. Bosniaken und Kroaten bevorzugen bis heute das lateinische Alphabet, während bosnische Serben das kyrillische Alphabet verwenden.
Wer mit Serben, Kroaten oder Bosniern schriftlich kommunizieren möchte, sollte beide Alphabete kennen, da sie für offizielle Dokumente wie für informelle Kommunikation gleichermaßen genutzt werden.
Welche der drei Sprachen sollte ich zuerst lernen?
Bei drei Amtssprachen fragst du dich vielleicht: Womit soll ich anfangen? Am wichtigsten ist, welche Sprache dich persönlich am meisten interessiert. Je nach Muttersprache kann dir außerdem die generelle Schwierigkeit slawischer Sprachen zu schaffen machen – Grammatik, Vokabular und Phonetik unterscheiden sich stark von dem, was etwa englische oder deutsche Muttersprachler gewohnt sind. Besonders wenn dir sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet unbekannt ist, wirkt der Einstieg anfangs anspruchsvoll.
Das sollte dich aber nicht vom Loslegen abhalten. Wenn du dich bisher nicht entscheiden kannst, hilft dir die Ling-App beim Einstieg in Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch gleichermaßen.
Tipps zum Einstieg
- Starte mit dem lateinischen Alphabet, unabhängig davon, für welche der drei Sprachen du dich entscheidest – es ist im Alltag am weitesten verbreitet. Unsere Tipps zur bosnischen Aussprache helfen dir dabei zusätzlich.
- Höre aktiv zu: Natürliche Gespräche von Bosniern, Serben oder Kroaten zu verfolgen, ist eine der effektivsten Methoden, um Sprachgefühl zu entwickeln (Spracherwerb durch Immersion).
- Nutze deine bosnische Reise als Vokabeltraining: Willst du beispielsweise Bosnien und Herzegowina bereisen, benötigst du eine ulaznica (Fahrkarte) für den Zug – schon dieser praktische Kontext hilft beim Merken.
- Wähle eine Sprache und bleib dabei, statt zwischen allen dreien zu springen – wegen der über 90 % gemeinsamen Wortschatzbasis überträgt sich dein Fortschritt ohnehin auf die anderen beiden.
Häufig gestellte Fragen zu den Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina
Warum hat Bosnien und Herzegowina drei Amtssprachen?
Die Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina wurden nach dem Zerfall Jugoslawiens und dem Dayton-Friedensabkommen von 1995 als gleichberechtigt festgeschrieben, um die drei größten ethnischen Gruppen des Landes – Bosniaken, Kroaten und Serben – sprachlich gleichermaßen zu repräsentieren. Alle drei gehen auf dieselbe štokavische Dialektbasis zurück und sind weitgehend gegenseitig verständlich.
Sind Bosnisch, Kroatisch und Serbisch dieselbe Sprache?
Nicht ganz. Sie teilen über 90 % ihres Wortschatzes und derselben grammatischen Grundlage, gelten sprachwissenschaftlich aber als eigenständige Standardsprachen mit jeweils eigener Identität, teils eigenem Alphabet (Serbisch nutzt zusätzlich Kyrillisch) und unterschiedlichen Lehnwort-Einflüssen – bei Bosnisch etwa deutlich mehr aus dem Türkischen, Arabischen und Persischen.
Welches Alphabet sollte ich zuerst lernen, Latein oder Kyrillisch?
Für den Alltag in Bosnien und Herzegowina reicht das lateinische Alphabet meist aus, da Bosniaken und Kroaten es bevorzugen und es auf Straßenschildern, Speisekarten und in den meisten offiziellen Dokumenten dominiert. Kyrillisch begegnet dir hauptsächlich bei bosnischen Serben – wer viel mit dieser Gruppe zu tun hat oder auch Serbisch lernen möchte, sollte es eines Tages ergänzen.

Fazit: Eine Sprache, drei Wege nach Bosnien
Die Amtssprachen in Bosnien und Herzegowina erzählen die Geschichte eines Landes, das seine sprachliche Vielfalt trotz einer bewegten politischen Vergangenheit bewahrt hat. Ob du dich für Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch entscheidest – dank der gemeinsamen Wurzeln profitierst du in jedem Fall vom Verständnis der jeweils anderen beiden Sprachen.
Am wichtigsten ist, überhaupt anzufangen: mit dem lateinischen Alphabet, echtem Hörtraining und der Sprache, die dich persönlich am meisten reizt.
Bereit, loszulegen?
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